Sanierungsarbeiten

Die Datierung von zwei Holzstücken konnte heute der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Ein Eichenholz aus der Pfahlgründung des nordöstlichen Oktogonpfeilers Nr. 7 ist auf das Jahr 798 +/-5 AD datiert worden. Ein Eichenholz aus dem Holzringanker H1 der Oktogonkuppel ist auf das Jahr 803 +/-10 AD datiert worden. Die dendrochronologische Auswertung erfolgte in dem Labor für Dendroarchäologie der Universität zu Köln (Herr Dr. Burghart Schmidt (i.R.) und Herr Dr. Thomas Frank).

Die Eichenhölzer aus dem Holzringanker der Oktogonkuppel wurden bereits im Februar 2003 im Zuge der Sanierungsarbeiten an den karolingischen Mauerwerksflächen entnommen. Ergänzende Röntgenschnittbilder der Hölzer (Fachhochschule Aachen) und die Auswertung der Vermessung des Ankerkanals in der Oktogonkuppel (Rheinisches Amt für Denkmalpflege) ermöglichten es, die Datierung fortzuführen. Insgesamt konnten 95 Jahrringe ermittelt werden. Der jüngste Jahresring wurde auf das Jahr 753 datiert, die Anwuchszeit auf 657. Durch die Kenntnis über die Größe des Ankerkanals (der Holzringanker wurde mit dem Mauerwerk vermauert) und dem Durchmesser des Balkenquerschnitts konnten die fehlenden Jahresringe bis zur Balkenkante mit 30 +/-5 AD rekonstruiert werden. Mit den fehlenden Splintringen von 20 +/-10 AD ergibt sich die Datierung zu 803 +/-10 AD.

Die beiden Eichenhölzer der Pfahlgründung, ca. 5,10m unterhalb des Fußboden Oktogon, wurden Anfang März 2009 im Rahmen der Innensanierung an Mosaiken, Marmorplatten und Fußböden nach der archäologischen Entschuttung in diesem Bereich mittels einer 2m tiefen Suchtschachtung entnommen. An dem sechskantigen Spältling konnten 57 Jahresringe ermittelt werden. Die Datierung des jüngsten Ringes ergab 781 AD. Eichen der Alterklasse haben durchschnittlich etwa 17+/- 5 Splintholzringe, so dass sich die Datierung auf 798 +/- 5 AD ergibt.

Weiter fügt sich der 2007 im Bereich der Fundamentauffüllung gefundene Karlsdenar, ab 794 geprägt und in einem guten, unabgegriffenen Zustand, sehr gut in die o.a. Datierungen ein.

Der Bau Karls des Großen wurde somit nicht vor 793 begonnen und nicht später als 813 vollendet.

Bekannte Daten unterstützen die Datierungen:
768 verbringt Karl d.Gr. nach seiner Königskrönung in Noyon den Winter und Weihnachten in Aachen
788/789 ist er nach 20 Jahren erstmals wieder in Aachen, vielleicht entwickelt sich der Plan Aachen zur Reichsresidenz auszubauen und mit der Aula Regia zu beginnen, evtl. laufen diese Arbeiten schon
794/795 ist er nach 6 Jahren wieder in Aachen zu Weihnachten und Ostern, um danach jedes Jahr mindestens einmal bis zu seinem Tod am 28.01.814 in Aachen zu sein

ab 782 ist Alkuin am Aachener Hof
ab 792 kam Einhard dazu
786/787 erlaubt Papst Hadrian die Entnahmen von Marmor aus Ravenna
798 wurden die Säulen in die Arkaden des Oktogons eingesetzt
803 wird ein Erdbeben verzeichnet, Auswirkungen davon können evtl. an Rissen in den Fundamenten, Wandflächen und Gewölben des Sechzehnecks heute abgelesen werden
812 wird in der Kirche der Friedensvertrag mit Konstantinopel vereinbart
813 der Säulengang zwischen Kirche und Palast stürzt ein
813 häufige Erschütterungen des Palastes
813 Blitzeinschlag, die goldene Bauzier, die die Spitze des Daches schmückte, fällt herunter

Die Dombauleitung bedankt sich bei den Beteiligten für die beharrliche Mitarbeit:

Holzringanker:
Labor für Dendrochronologie an der Universität zu Köln
Fachhochschule Aachen, Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik
Rheinisches Amt für Denkmapflege
Marmorwerk Grünzig

Fundamentholz:
Labor für Dendroarchäologie an der Uni zu Köln
Fachhochschule Aachen, Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik
Radiologische Diagnostik Dr. Krasny
Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege
Goldschmidt Archäologie
Tanja Kohlberger-Schaub, Grabungsleiterin der Dombauleitung
Stadtarchäologie Aachen
Dombauleitung Aachen

Im Frühjahr 2010 werden die Ergebnisse und Auswertungen im Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege Nr. 40 veröffentlicht.

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